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BackyardUltra in Rettert bei Frankfurt am Main oder mein erstes DNF mit Ansage

Normalerweise fangen meine Laufberichte ja immer mit den Fakten des Laufes an und dann gibt es noch einen persönlichen Nachschlag. Da dieses Jahr sowieso alles anders ist, wird auch dieser Bericht etwas länger und persönlicher.
Ich brauche wohl den Laufbegeisterten nicht mehr zu erzählen, wie mein läuferisches Jahr bis heute aussah. Wie bei vielen von uns wurde Anfang des Jahres ein Grobplan erstellt, mit zwei, drei Highlights dabei. Für den Oktober war somit die Deutsche Meisterschaft im 24 Stundenlauf in Schwindegg fest eingeplant. Dieser Lauf musste schon im April abgesagt werden, da der Veranstalter keine Planungssicherheit hatte. Also musste eine Ersatzveranstaltung gefunden werden. Im DUV Veranstaltungskalender fiel mir sofort der Backyard Ultra in Rettert ins Auge. Ein für mich völlig neues Format war dort beschrieben. Alle gemeldeten Läufer starten zu jeder vollen Stunde auf eine 6,7 Kilometer lange Strecke. Außerdem gibt es pro Runde noch 90 Höhenmeter als Zugabe. Klingt für den Anfang nicht allzu tolle, dachte ich mir. 6,7 Kilometer in der Stunde, das ist ja fast Wandertempo, dachte ich mir. Ja ich dachte. Aber wie das bei vielen Menschen zur Zeit so ist, ich dachte falsch, wie sich im weiteren Laufberichte noch zeigen wird. Zu den weiteren Regeln gehört außerdem, dass dies ein „LastManStanding“ Lauf ist. Das heißt, dass jeder Läufer, der nicht zur vollen Stunde an der Startlinie steht, aus dem Rennen ausscheidet. Egal aus welchem Grund. Die letzte Person, die noch eine volle Runde laufen kann, ist der alleinige Sieger oder die Siegerin. Alle anderen Gurken haben ein dickes DNF (Did Not Finish) in ihrer Laufvita stehen. Dessen Risiko muss man sich halt bewusst sein. Aber nun zum Lauf und dessen Vorbereitung.
In der Vorbereitung zu diesem Jahreshighlight rannte ich im privaten Sektor einige Ultras und auch zwei Nachtläufe nach Backyardregeln.
So startete ich am Donnerstag nach der Arbeit nach Rettert, um mein Pavillon aufzubauen und noch eine „ruhige“ Nacht im Hotelzimmer zu verbringen. Am nächsten Morgen fuhr ich zum Wettkampfort, wo ich den Pavillon bezugsfertig machte und noch Platz für Lauffreund Andreas Krause von der Vorwärts Zwickau ließ. Ich lief so die geplante Runde ab, um mir ein Bild von der Strecke zu machen, da der Start um 20:00Uhr im Dunkeln war. Steiniger Waldboden mit dicken Laubschichten waren für mich Nachtblinden nicht die beste Voraussetzung.
Aber naja, was soll der Geiz. Für jede gelaufene Runde musste man 3€ bezahlen, die dann der Wiederaufforstung des Waldes (Borkenkäferbefall) zugute kamen.
Beim Start standen knapp 200 Laufenthusiasten, die in die folgende Nacht liefen. Stunde um Stunde das gleiche Szenario. Ich kam nach ca. 50min ins Ziel, schnell was kleines essen, was trinken und schon pfiff der „Schinder Alex“ (Veranstalter Alexander Holl) das erste mal nach 57 Minuten mit seiner Pfeife. Dann nach 58 Minuten, nach 59 Minuten und spätestens jetzt musste man an der Startlinie stehen, ansonsten war man raus. Wer mich kennt weiß, dass ich ein sehr friedliebender Mensch bin, aber nach spätestens 10 Stunden hatte ich mir gewünscht, dass er seine Pfeife verschluckt...
Diesen enormen Druck durch diese Pfeife kann man nur nachvollziehen, wenn man selbst an solch einem Lauf teilgenommen hat. Und um es schon vorweg zu nehmen, ich werde noch einmal an so einen Lauf teilnehmen.
Als ich aus der Nacht kam und die ersten Sonnenstrahlen über das Feld fielen, konnte ich die Tristesse der Nacht schnell abschütteln und konnte meine Rundenzeiten auf unter 50 Minuten drücken, um etwas mehr Zeit zur Nahrungszubereitung und -aufnahme zu haben. Dies sollte aber nicht gelingen und ich musste oft an Bottrop, Reichenbach, Gotha... denken und sehnte mir unsere Cordula nach Rettert. Sie kam aber nicht. Dies war dann auch der Grund, warum ich mich nach 18 Stunden (120,7km/1600hm) zu den DNF´s gesellte. Es regnete bei Sturmböen von 60km/h (meine Wechselbekleidung war total nass, da wir wegen Corona nicht ins Vereinsheim durften), es waren nur noch 8 Grad und mir fehlte vor allem ein fleißiges Helferlein. Ohne diese braucht man solche Stundenläufe gar nicht beginnen. Ich befand mich zu diesem Zeitpunkt unter den letzten 20 Startern und durfte in Schindermanier noch eiskalt duschen. Jetzt mümmelte ich mich endlich ins Auto und schlief drei Stunden, bevor ich die Heimfahrt antrat. Als ich 22:30Uhr zu Hause ankam, liefen die letzten „Verrückten“ immer noch. Gewonnen hat im übrigen, wie soll es anders sein, eine Frau. Marina Kollassa rannte als einziger Teilnehmer/ einzige Teilnehmerin  32 Stunden und darf somit zu den Weltmeisterschaften nach Tennessee im nächsten Jahr fliegen.
So, ich hoffe, ich habe euch nicht zu sehr gelangweilt. Ich musste diesen Bericht aber auch für mich selbst so ausführlich schreiben, damit ich eine adäquate Fehleranalyse habe, um es das nächste Mal besser zu machen.
Ich wünsche euch allen noch ein halbwegs versöhnliches Restlaufjahr!

Marco

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